Torbau: Vorher nachdenken

Metallhandwerker, die Tore fertigen, prüfen und montieren, müssen sich ständig weiter bilden. Wir fragten den Sachverständigen, Firmeninhaber und Torprofi Markus Hein aus Wörrstadt nach seinen wichtigsten praktischen Erfahrungen.

Jörg Dombrowski und Markus Hein im Interview

Wie ist Ihre momentane konjunkturelle Situation?
Derzeit sind die Auslastung sowie die kurzfristige Prognose durchaus positiv einzuschätzen. Wir haben sehr gut zu tun und der Auftragsvorlauf ist ausreichend.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie gegenwärtig besonders zu kämpfen?
Die positive Auftragslage ist derzeit bereits eine Belastungsprobe für unsere Mitarbeiter. Das fehlende Fachpersonal ist wohl in unserer gesamten Branche derzeit ein Problem. Und die Situation könnte in den nächsten Jahren – auch unabhängig von der Auftragslage – noch prekärer werden.
Aber auch die steigende Bürokratie im Bereich Auftragsabwicklung (Voraussetzungen, Absicherung, Nachweise, Präqualifikation, Unmengen an Dokumenten für die Auftragsabwicklung) ist eine große Belastung.

Sie haben sich auf den Bereich der kraftbetätigten Tore spezialisiert. Was war der Grund dafür?
Im Metallhandwerk existiert eine große Bandbreite an Handwerksleistungen. Alle abzudecken ist meiner Meinung nach für kleinere Betriebe nicht möglich. Ich habe mich bereits bei der Gründung der Fima im Jahr 1992 auf eine Spezialisierung im Torbereich festgelegt. Zu diesem Bereich hatte ich eine hohe Affinität und das Segment liegt mir. Außerdem habe ich dabei gute Marktchancen gesehen.

Was mussten Sie dafür tun, um sich in diesem Segment zu behaupten?
Wichtig war meine eigene gründliche Weiterbildung im Maschinenbau und im Elektrohandwerk. Und nicht zuletzt stand dann die torspezifische Weiterbildung auf der Tagesordnung. Das dort angeeignete und ständig aktualisierte Wissen kann ich heute selbst an andere weitergeben.
Diese ständige Weiterbildung von mir und natürlich auch von meinen Mitarbeitern ist heute, da die Produkte immer komplexer werden, ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Wir haben zum Beispiel bei uns in der Firma unter den 15 Mitarbeitern sechs Sachkundige für kraftbetätigte Tore und drei Sachkundige für Brandschutztore.

Welche Serviceangebote der Tor- und Komponentenhersteller nutzen Sie besonders intensiv?
Derzeit sind das vor allem die Schu­lungs­angebote der Vorlieferanten.

Sie haben im letzten Jahr den Deutschen Metallbaupreis gewonnen. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?
Diesen Preis habe ich mit großer Freude und Stolz entgegengenommen. Er bestätigt unseren eingeschlagenen Kurs und ist eine besondere Ehre für mich und meine Mitarbeiter. Er belegt, dass wir unser Handwerk mit Bedacht, mit entsprechendem Können und mit großer Sorgfalt ausführen. Zum Siegerfilm - Schaufenstertor 2017

Sie arbeiten in vielen Gremien im Bereich der kraftbetätigten Tore mit und sind auch Autor von Beiträgen und Richtlinien. Was hat Ihnen diese Tätigkeit gebracht?
Das Engagement in diesem Bereich gibt sehr viel zurück. Lernen, Erfahrung, Austausch mit andere Handwerkern und Institutionen – das war in den letzten 25 Jahren auch ein Grund für unseren heutigen Status.
Sie sind seit vielen Jahren Sachverständiger.

Welche Lehren konnten Sie daraus ziehen?
Auch das ist natürlich eine ständige Weiterbildung, weil man sich für die Gutachten sehr intensiv mit dem Stand der Technik auseinandersetzen muss. Ich konnte dabei viele Fehler und Mängel kennen lernen und analysieren. Und ich hoffe, dass ich durch die Kenntnis um die Umstände, diese Fehler vermeiden kann.

Markus Hein und Jörg Dombrowski im Interview
„Die ständige Weiterbildung ist heute ein entscheidender Wettbewerbsfaktor“, weiß Markus Hein. Fotos: M&T

Welche Fehler werden von Metallbauern/Tor­bauern immer wieder gemacht?
Grundsätzlich resultieren die Fehler aus der mangelhaften Umsetzung der vorgegebenen Regelwerke. Das geht bis hin zur Kennzeichnung und Dokumentation, die eine sehr häufige Fehlerquelle sind. Körperliche Schäden sind glücklicherweise eher selten. Aber der Streit zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer ist dabei oft vorprogrammiert.

Wie sollten Metallbauer vorgehen, die nur selten einmal ein Tor bauen?
Die sinnvollste Lösung ist es sicherlich, sich mit einem spezialisierten Kollegenbetrieb zusammenzutun. Solche Kooperationen sind immer wirtschaftlicher, als Fehler zu machen oder sich für wenige Tore im Jahr mit den Normen und Regeln auseinanderzusetzen und die Mitarbeiter zu qualifizieren. Das haben wir übrigens auch andersherum für die Metallbauarbeiten für unser Projekt praktiziert, das den Deutschen Metallbaupreis 2017 gewonnen hat.

Wie bereiten Sie sich und Ihren Betrieb auf zukünftige Anforderungen und Bedingungen vor?
Die beste Vorbereitung ist sicherlich die ständige Weiterbildung und die Auseinandersetzung mit den Regeln und Normen. Auch die digitale Technik hält derzeit in der täglichen Arbeit auf der Baustelle Einzug. Das ist allerdings oftmals noch eine große Hürde für das Handwerk.

Welchen Tipp können Sie abschließend Ihren Kollegen noch geben?
In meinen Seminaren empfehle ich zum Abschuss immer: „Erst grübeln dann dübeln“. Wenn man sich danach richtet, ist damit schon viel getan. 

Letzte Aktualisierung: 30.01.2018