Zu hohe Schließkräfte

(Oktober 2017) An einer zweiflügligen automatischen Schiebetür wurden durch den Sachverständigen diverse Mängel und Gefährdungen festgestellt. Bemängelt wurden unter anderem zu hohe Schließkräfte, gefährliche Quetschstellen und falsch eingestellte Sensoren.

Schadensbeschreibung

Schiebetuer, Schließkräfte, Schäden im Metallbau
Falsch: Die Prüfung der Bereichsüberwachung mit diesem Prüfkörper ergab, dass der Körper nicht erkannt wurde und die Türflügel auch nicht reversierten. Foto: Mink

Durch den Eigentümer wurde die Ausführung der neu installierten zweiflügeligen automatischen Schiebetür als Zugangstür zu einem Ladengeschäft gerügt. Vom Bauherrn wurde die gesamte Installation dieser Automatiktür in Zweifel gezogen. Durch Prüfung vor Ort sollte festgestellt werden, ob und welche Mängel vorliegen.
Der Eingangsbereich besteht aus einer zweiflügeligen automatischen Schiebetür mit jeweils rechts und links anschließendem feststehendem Glasseitenteil. Außen und innen sind oberhalb der Tür Sensoren angebracht, die den Bewegungsbereich vor der Tür überwachen sollen. Oberhalb der Tür war im Außenbereich kein Regenschutz angebracht, so dass die gesamte Konstruktion einem möglichen Schlagregen ausgesetzt war. Weiterhin waren im Außenbereich zahlreiche Lücken zwischen den Profilen feststellbar, in die Regen oder Schwitzwasser eindringen kann.
Im geöffneten Zustand betrug der Abstand zwischen der Nebenschließkante des Flügels und der Wand 250 Millimeter. Der Abstand zwischen den Flügelprofilen und der Glasfläche des feststehenden Seitenteiles betrug etwa 27 Millimeter.
Waren wurden auch im Bewegungsbereich der Türflügel präsentiert. Somit besteht die Möglichkeit, dass Kunden diese Waren in Augenschein nehmen und so in den Bewegungsbereich treten. Durch die Art der Warenpräsentation ist es wahrscheinlich, dass die Kunden dem Türflügel den Rücken zuwenden. Es ist nicht auszuschließen, dass der Türflügel beim Öffnen der Tür durch seine Bewegung Personen anstößt. Deswegen wurden die Türkräfte an dieser Nebenschließkante gemessen.

Entsprechend der DIN 18650-1 wurde die Türschließkraft in einer Höhe von 1.200 Millimeter über dem Fußboden gemessen. Als Messabstand wurden 300 Millimeter und 500 Millimeter angesetzt. Zur Einhaltung dieser Messabstände wurde das Kraftmessarm-Set des Messgeräte-Herstellers verwendet. Pro Messabstand wurden an jedem Türflügel im Bereich der Nebenschließkante drei Messungen durchgeführt.
Für die Messung der Türkräfte wurde das Kraftmessgerät KMG 2000 L verwendet. Die Auswertung der Kraftmessung erfolgte am Computer mit der Software KMG VD 2005.

Fehleranalyse und -bewertung

Schliesskraefte, Schäden im Metallbau
Falsch: Die Schließkräfte an dieser Schiebetür waren zu hoch und es gab noch weitere Gefährdungen. Foto: Mink

Durch diese Software werden nicht nur die Kräfte tabellarisch dargestellt auch der jeweilige Kraftverlauf wird über der Zeit gezeigt. Aus diesen Messprotokollen ist erkennbar, dass das Kraftniveau der dynamischen Kraft in einigen Fällen zu hoch war und den normativ vorgegebenen Grenzwert überschritten hat. Auch die statischen Kräfte waren in den meisten Fällen oberhalb des normativ vorgegebenen Kraftniveaus.
Das durch Messung ermittelte Kraftniveau der Türanlage wurde als zu hoch bewertet. Die Tür weist ein Gefährdungspotential auf, das es zu verringern gilt.
Wegen des Abstandes zwischen Flügel-Hinterkante und Wand von 250 Millimeter ist gemäß DIN 18650-2 eine Gefahr durch Quetschen möglich. Da der Abstand zwischen den Glasflächen und dem Flügelprofil an der Nebenschließkante über 25 Millimeter lag, wurde dieser Abstand für den Fingerschutz auf Basis der DIN 18650-2 als ausreichend bewertet.
Ergänzend wurde neben der Schließkraft der Türflügel auch die Funktion der Türsensoren mit einem Prüfkörper überprüft.
Im Näherungsbereich der Tür von außen und innen wurde dies durch individuelles Herangehen an die Tür getestet. Zum Schluss wurde der Prüfkörper in der Mitte zwischen den geöffneten Flügeln platziert. Hierbei zeigte sich, dass der Körper nicht erkannt wurde und die Türflügel auch nicht reversierten. Stattdessen wurde der Prüfkörper von den Flügeln eingeklemmt.

Schadensvermeidung und -beseitigung

Die vom Bauherrn gerügten Mängel waren dem Grunde nach zutreffend. Als Abhilfe blieb nur die komplette Überarbeitung der Türanlage mit entsprechender Prüfung gemäß Bauregelliste.
Hans-Pauk Mink

Download der DGUV-Information Türen und Tore 208.022 (PDF)

Das sollten Sie beachten

  • Für Automatiktüren ist eine Gefährdungsanalyse durchzuführen.
  • Die Absicherung von automatischen Schiebetüren muss den normativen Vorgaben entsprechen.
  • Die maximalen Schließkräfte müssen der Norm entsprechen



Letzte Aktualisierung: 22.11.2017