Siegerin des Feinwerkmechanikpreises 2017

Der 1. Platz des Feinwerkmechanikpreises 2017 wurde von der Jury für die Deckelhaubenmaschine vergeben.

Ingrid Seibert-Hess, Feinwerkmechanik, Feinwerkmechanikpreis
Stolze Preisträgerin: Ingrid Seiber-Hess hat mit der Deckelhaubenmaschine den Feinwerkmechanikpreis 2017 entgegen genommen. Foto: Christian Köster

Die innovative Anlage dient dem automatischen Bestücken von Delikatessengläsern mit einer Deckelhaube aus Papier. Die Firma Hermann Seibert hat die Anlage konzipiert, entwickelt, konstruiert und gefertigt.

Mit dem ausgezeichneten Siegerobjekt wird beispielhaft für das deutsche Metallhandwerk verdeutlicht, wie ein kleiner innovativer Maschinenbaubetrieb mit viel Einfallsreichtum, Erfahrung und Engagement ein komplexes und kompliziertes Kundenproblem gelöst hat. Und zwar technisch und handwerklich hochwertig, überzeugend, effektiv und wirtschaftlich. Die sehr kurze Amortisationszeit und die komplexe Automatisierung des Verpackungsprozesses zeichnen das Objekt aus.

Deckelhaubenmaschine, Feinwerkmechanikpreis

Komplizierte Verknüpfung verschiedener Bewegungen

Der Auftraggeber für die ausgezeichnete Anlage produziert und vertreibt hochwertige Delikatessen in Gläsern. Um diese aufzuwerten, werden sogenannte Deckelhauben über den Deckel gestülpt und mit Dekorationsbindegarn befestigt. Nach einer mehrjährigen Anlaufphase hat sich der Bedarf so stark erhöht, dass eine weitere Automatisierung des Prozesses unbedingt notwendig war. Dabei ist eine komplizierte Verknüpfung vieler verschiedener Bewegungen erforderlich.
Die neu entwickelte Anlage mit einer Breite von 2.000 Millimeter, einer Länge von 2.100 Millimeter, einer Höhe von 1.500 Millimeter und einem Gewicht von etwa einer Tonne ist auf einem vollverkleideten Gestell aus Leichtmetallprofilen aufgebaut. Unterhalb der Tischplatte befinden sich im Schaltschrank die komplette Elektrosteuerung sowie die Komponenten der pneumatischen Steuerung.
Sämtliche Prozessabläufe erfolgen oberhalb der Tischplatte. Die Mechanik ist durch ein durchsichtiges Gehäuse, das auf drei Seiten geschlossen ist, gesichert. Die mechanischen Abläufe werden mit Hilfe eines Lichtvorhanges an den offenen Anlagenseiten abgesichert.

Alles läuft vollautomatisch

In der jetzt konstruierten und gebauten Anlage werden die bereits befüllten und verschlossenen Gläser automatisch vom Drehtisch der Etikettiermaschine in die Deckelhaubenmaschine eingeschoben. Die Gläser laufen auf einem Flachband getaktet in die Anlage ein. Direkt vor der Bestückung mit den Deckelhauben werden die Gläser von einem Sensor abgetastet und automatisch so gedreht, dass Etikett und Drahtschleife direkt mittig ausgerichtet sind. Parallel zur Glaszuführung werden der Dekodraht und die Deckelhaube zugeführt. Sobald das Glas korrekt in der Bestückungsposition steht, kann die Deckelhaube durch Hochschieben des Glases übergestülpt und der Draht um die Deckelhaube zugezogen, abgelängt und verzwirbelt werden. Danach wird das Glas mit Hilfe eines Greifers aus der Anlage entnommen und dabei zugleich die Schleife angedrückt. Anschließend erfolgt das Absetzen des Glases auf das Auslaufband.

Die Anlage kann wahlweise im Automatikbetrieb oder zum Einrichten im Handbetrieb gefahren werden. Innerhalb der Deckelhaubenmaschine erfolgen die Bewegungen weitgehend über Pneumatikzylinder, der Drahtvorschub erfolgt über einen Elektromotor.

Sehr kurze Amortisationszeit

Die Anlage ist für Gläser mit einem Durchmesser von 68 Millimeter sowie für eine Höhe von 85 Millimeter konzipiert. In einem Umrüstsatz kann die Technik auf andere Glasgrößen umgestellt werden. Die Arbeitsgeschwindigkeit beträgt etwa sechs Gläser pro Minute.
Durch eine Erstanlage wurden bereits sechs Handarbeitsplätze ersetzt. Dadurch konnte im Zweischichtbetrieb produziert und die Kapazitäten auf das Fünffache erhöht werden. Mit der neuen Deckelhaubenmaschine wird die Kapazität noch einmal verdreifacht. Die Amortisationszeit beträgt etwa 1,5 Jahre.
Mittelfristig soll auch die Verpackung der Gläser automatisiert werden.

Fazit: Innovativer Maschinenbau

Die Jury ist der Meinung, dass mit dem ausgezeichneten Siegerobjekt beispielhaft für das deutsche Metallhandwerk verdeutlicht wird, wie ein kleiner innovativer Maschinenbaubetrieb mit viel Einfallsreichtum, Erfahrung und Engagement ein komplexes und kompliziertes Kundenproblem technisch und handwerklich hochwertig, überzeugend, effektiv und wirtschaftlich gelöst hat.