Thema des Monats: Schiebetor richtig umrüstet

(November 2017) Für ein altes stillgelegtes, kraftbetätigtes Schiebtor sollte ein Sachverständiger Vorschläge für die Sanierung machen. Dabei ist allerdings durch den umrüstenden Betreib eine ganze Menge zu beachten. Hier die Details des Gutachters.

Stillgelegtes Schiebetor
Dieses alte stillgelegte Tor sollte nachgerüstet werden. Foto: BVM

Es handelt sich um ein freitragendes Schiebetor als Geländeabschluss eines privaten Grundstückes. Die Außenseite des Tores ist mit senkrecht montierten Holzlatten bekleidet. Der Lattenabstand beträgt etwa 25 Millimeter. Das Schiebetor fährt zum Öffnen der Toreinfahrt hinter eine benachbarte Mauer. Der Spalt zwischen Mauer und Tor beträgt etwa dreißig Millimeter.
Die Holzlatten sind auf einen Rahmen montiert, der aus Rechteckprofil 120 mal sechzig mal drei Millimeter gefertigt ist. Der Rahmen wird wiederum von zwei Pfosten mit oberen und unteren Rollen gehalten, zwischen denen sich der Rahmen bewegt. Der Abstand zwischen Pfosten und Torrahmen beträgt neunzig Millimeter.
Das Schiebetor war weit vor dem Erscheinen der europäischen Torenormen gefertigt und in Betrieb genommen worden. Als Sicherungseinrichtung war seinerzeit eine Lichtschranke vor dem Tor installiert worden.

Beachten Sie bei der Nachrüstung die Regeln

In allen Fällen der Nachrüstung sind die Anforderungen aus der Maschinenrichtlinie zu beachten. Weiterhin ist die Produktnorm Tore, also die DIN EN 13241, mit den mitgeltenden Normen, insbesondere DIN EN 12604 zu den mechanischen Aspekten und DIN EN 12453 zur Nutzungssicherheit kraftbetätigter Tore zu berücksichtigen. Diese Normen gelten nicht nur für die Neufertigung von Toren, sondern auch für nachträgliche Änderungen an Toranlagen.
Ob mit der Nachrüstung eine neue Maschine im Sinne der Maschinenrichtlinie entsteht, hängt damit zusammen, ob wesentliche Veränderungen oder keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen werden.
Zu den wesentlichen Veränderungen gehört auch die Nachrüstung mit Sicherheitsbauteilen, sofern es sich nicht um bereits durch eine notifizierte Stelle geprüfte Kombinationen von Komponenten handelt. Um wesentliche Veränderungen handelt es sich insbesondere dann, wenn der Ausführende selbst die Auswahl der Bauteile trifft und damit für das Zusammenwirken verantwortlich ist. Das führt zwangsläufig zu einem neuen Konformitätsverfahren, an dessen Ende die ausführende Firma mit der CE-Kennzeichnung bestätigt, dass die Anforderungen des Tores sowohl als Bauprodukt als auch als Maschine erfüllt werden. Das sollte der nachrüstende Betrieb unbedingt beachten.

Berücksichtigen Sie die mechanischen Anforderungen

Bezüglich der mechanischen Anforderungen ist DIN EN 12604 heranzuziehen. In Abhängigkeit von Nutzer und Einbauort sind sämtliche Quetsch-, Scher-, Einzug- und Stoßstellen zu berücksichtigen.
Zudem spielen Mindestabstände eine wesentliche Rolle. Im vorliegenden Fall betrifft das die Bekleidung mit den Holzlatten, die Haltepfosten und die parallel verlaufende Mauer, also sowohl außen- als auch innenliegende Nebenschließkanten. DIN EN 12604 gibt bei glattflächigen Flügeln einen maximalen Abstand von acht Millimetern vor. Ist der Abstand größer, sind entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um die Nebenschließkante abzusichern. Der Sicherheitsabstand von beweglichen Torteilen (zum Beispiel Schiebetorblatt) und feststehenden Elementen (zum Beispiel Zaun oder Wandteile) ist abhängig von der Öffnungsweite der Tor- und Zaunfüllung.
Hinweise zu Öffnungsmaßen für Tor- und zum Beispiel Zaunfüllungen mit den dazugehörigen Sicherheitsabständen finden sich in der DGUV-Information 208-022 Türen und Tore. Das Eingreifen in den Fahrweg des Tores wird damit verhindert.
Nach DIN EN 12604 ist außerdem zu vermeiden, dass man in den Bereich der Führungsrollen eingreifen kann. Weiterhin spielen maximale Bedienkräfte (nach DIN 12604, Absatz 4.4 für den Privatbereich 150 Newton, bei kraftbetätigten Toren nach DIN EN 12453, Absatz 5.3.5 während der Handbetätigung zum Beispiel bei Stromausfall 150 Newton plus fünfzig Prozent) und richtig dimensionierte Endanschläge eine Rolle.

Sorgen Sie für die Nutzungssicherheit

Schiebetor richtig umrüstet
Das sind die typischen Quetsch-, Scher- und Einzugsstellen an Schiebetoren. Quelle: BVM-Tore-Richtlinie

Während der gesamten Nutzungszeit einer kraftbetätigten Toranlage darf es zu keiner Gefahr, weder für den Nutzer noch sonstigen Personen kommen. Die einschlägige Norm ist die DIN EN 12453.
Eine Risikobeurteilung ist durchzuführen. Diese muss den Nutzerkreis, die Steuerungsart und auch vorhersehbare Fehlbedienungen für die gesamte Lebensdauer der Anlage berücksichtigen. Dazu sind also konkrete Angaben zu Nutzung, Bediener (unterwiesene oder nicht unterwiesene Personen), Zyklenzahl, Steuerungsart (Totmann, Impuls, Automatik) und Einbauort (öffentlich, nicht öffentlich) notwendig. Aus der Risikobeurteilung leiten sich die Absicherungsmaßnahmen ab, die in den Normen und Vorschriften (für Tore DIN EN 12604, DIN EN 12453 und ASR A1.7) gefordert werden. Änderungen im Umfeld der Anlage oder in deren Nutzung erfordern eine erneute Risikobeurteilung. Dadurch können wiederum Nachrüstungen erforderlich werden. Bestandsschutz in Zusammenhang mit Toranlagen gibt es nicht.
Mit Hilfe der Informationen aus den Normen (siehe Sicherungs-Tipp) lässt sich das erforderliche Mindestschutzniveau für die Sicherung der Hauptschließkante ermitteln.
Bezüglich der Sicherheitseinrichtungen ist es wichtig, auf geprüfte Bauteile zurückzugreifen, die eine Baumusterprüfung einer anerkannten Prüfstelle aufweisen. Zusätzlich müssen für alle Sicherheitseinrichtungen eine Konformitätserklärung des Komponentenherstellers und detaillierte Einbau- und Bedienungsanleitungen vorhanden sein.

Fazit: Seien Sie bei Nachrüstungen aufmerksam

Die Funktion aller Sicherheitseinrichtungen ist bei der Inbetriebnahme der Anlage auf korrektes Zusammenwirken zu prüfen. Nach wesentlichen Änderungen muss insbesondere eine Kraftmessung durchgeführt werden.
Für die ausführende Firma bedeutet das, sich der Verantwortung bewusst zu sein, wesentliche Veränderungen an Toranlagen durchzuführen. Es empfiehlt sich, auf komplette Systeme mit entsprechenden Nachweisen zurückzugreifen.
Im vorliegenden Fall wäre der Aufwand für die Nachrüstung, Prüfung und Dokumentation voraussichtlich so groß, dass es für den nachrüstenden Betrieb und auch für den Kunden günstiger erscheint, eine komplett neue Toranlage mit den entsprechenden Nachweisen zu installieren.

Passend zum Thema haben wir die Anforderungen des Mindestschutzniveaus für die Sicherung der Hauptschließkante nach Tabelle 1 der EN 12453 zusammengefasst.

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Karsten Zimmer