Maschinenbau: „Es gibt keine Lösung von der Stange“

(Februar 2021) Seit März 2020 ist Volker Rößner neuer Bundesfachgruppenleiter der Feinwerktechniker im Bundesverband Metall (BVM). Im Interview erläutert der Chef der Firma Rößner Maschinenbau aus Alsfeld, wie er mit den Herausforderungen der Pandemie umgeht und welche Probleme die feinwerktechnischen Betriebe momentan bewegen.

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„Eine Auswirkung der Pandemie ist auf jeden Fall die Verlängerung unserer Lieferzeiten“, weiß Volker Rößner. Foto: Rößner

Sie leiten einen kleinen Maschinenbaubetrieb, der sich der CNC-Bearbeitung und dem Sondermaschinenbau verschrieben hat. Welches sind Ihre „Spezialitäten“?
Wir sind nicht nur ein Zerspanungsbetrieb, sondern auch ein nach DIN EN 1090 EXC3 zertifizierter Schweißfachbetrieb. Das ist unsere Spezialität. Wir können für viele Teile aus dem Maschinenbau das komplette Programm inklusive Spannungsarmglühen, Strahlen und Lackieren anbieten. Unser Spektrum reicht von Schuhkartongröße bis 10.000 Millimeter Länge und zehn Tonnen Stückgewicht.
Für dieses Programm stehen uns Bearbeitungszentren, Fahrständer-Fräsmaschinen und klassische Bohrwerke zur Verfügung. Da kommt dann auch die CNC-Technik ins Spiel. Wir erwirtschaften etwa siebzig Prozent unseres Umsatzes in diesem Bereich als Lohnfertiger.
Als zweites Standbein haben wir seit 2004 den Sondermaschinenbau allgemein und auch eine eigene Produktreihe von Brikettieranlagen aufgebaut. Dabei handelt es sich um hydraulische Pressen die Metallspäne und zum Beispiel Schleifschlämme zu kompakten Briketts pressen. Damit lassen sich Kosten sparen und es ist ein Beitrag zur Ressourcenschonung. Zusätzlich haben wir für unsere Kunden schon alle möglichen Maschinen und Anlagen entwickelt und gebaut.

Wie ist die derzeitige konjunkturelle Situation und wie kommen Sie durch die Corona-Pandemie?
Unsere aktuelle Situation ist sicherlich viel besser als in vielen anderen Branchen. Da unsere Aufträge und Projekte zum Teil lange Vorlaufzeiten haben, bekommen wir eine geringere Nachfrage wahrscheinlich etwas verzögert zu spüren. Wir hatten im Sommer eine kleine Delle, die aber zum Glück nur kurz war. Da wir für viele Segmente des Maschinenbaus arbeiten, gleicht sich das meist durch die Nachfrage in den verschiedenen Bereichen wieder aus. Aktuell laufen die Kunden aus dem Werkzeugmaschinenbau, etwas schlechter, dafür ist der Baumaschinensektor relativ stabil. Zusätzlich nutzen wir, da wo es weniger zu tun gibt, das Instrument der Kurzarbeit, das man ja zum Glück auch 2021 relativ flexibel anwenden kann.
Auf die Anforderungen der Corona-Pandemie haben wir im Februar bereits reagiert und unsere Abläufe entsprechend entzerrt. Da, wo es möglich ist, können wir auf das Home-Office ausweichen. Im Fertigungsbereich halten wir die Abstands- und Hygieneregeln ein und versuchen die Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Leider sind durch die angespannte Situation auch die sozialen Events wie Weihnachtsfeier oder Betriebsfeste nicht möglich.

Welchen besonderen Herausforderungen müssen Sie sich gegenwärtig stellen?
Eine Auswirkung ist auf jeden Fall die Verlängerung unserer Lieferzeiten. Wir müssen schon seit einiger Zeit mit längeren Lieferzeiten für das Vormaterial rechnen. Dazu kommt, dass die Planung schwieriger geworden ist, weil immer mal wieder jemand im privaten Umfeld einen Coronakontakt hatte und in Quarantäne muss. Glücklicherweise haben wir bisher aber noch keinen Ausbruch in unserem Betrieb gehabt.

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„Da wir für viele Segmente des Maschinenbaus arbeiten, gleicht sich das zum größten Teil durch die Nachfrage in den unterschiedlichen Bereichen wieder aus“, erläutert der Bundesfachgruppenleiter im Gespräch mit der M&T-Redaktion. Foto: M&T

Wie versuchen Sie sich im Markt zu positionieren und diesen Herausforderungen zu begegnen?
Wir gehen offen damit um und kommunizieren die aktuelle Situation mit den Kunden.
Unsere Erfahrung ist, dass durch eine möglichst große Transparenz im Handeln, die meisten Probleme erst gar nicht entstehen. Wir haben trotz alledem den Anspruch ein verlässlicher Partner zu sein. Das sind alles Leitlinien und Grundsätze, zu denen wir uns auch schon vor der Corona-Pandemie verpflichtet haben. In Krisenzeiten zeigt sich jetzt die Belastbarkeit der geschäftlichen Beziehungen. Unterm Strich muss man auf beiden Seiten gewillt sein, das Beste aus der Situation zu machen, was uns bisher auch ganz gut gelungen ist.

Wie machen Sie Ihren Betrieb zukunftsfest?
Das ist die Frage der Fragen. Für welche Zukunft? Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in einer Periode der großen Umbrüche leben. Wir haben viele wirklich wichtige und entscheidende Problemen zu lösen. Das beginnt bei der Klimapolitik und geht bis zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Globalisierung mit Produktionsverlagerungen und ungleichen Bedingungen. Trotz aller Beteuerungen glaube ich nicht, dass die Standards, die wir halten, überall gleich erfüllt werden.
Für unseren Betrieb können wir nur versuchen, die aktuellen Entwicklungen zu verfolgen und zu bewerten. Um den Sprung in neue Märkte zu schaffen, fehlen uns aber einfach die Mittel.
Es gibt allerdings ein paar ganz klare Punkte, an denen wir arbeiten. Wir versuchen, da wo es sinnvoll ist, unsere Abläufe zu digitalisieren, um einheitliche und transparente Fertigungsprozesse immer weiter zu verbessern. Da wir überwiegend Einzelteile und Kleinserien fertigen, ist das eine Aufgabe, für die es keine Lösung von der Stange gibt. Wir können alles perfekt vorbereiten, letztendlich hängt es aber von der Erfahrung der Mitarbeiter ab, ein sechs Tonnen schweres Getriebegehäuse auf dem Maschinentisch richtig auszurichten. Um dieses Problem zu lösen, erarbeiten wir gerade ein Konzept, um die Werkstücke mit einem optisch-digitalen System zu positionieren. Damit werden die Mitarbeiter entlastet und sind am Ende schneller und effizienter. Wir können auch ein weiteres Problem entschärfen: Die Schwierigkeit geeignete Mitarbeiter zu finden und zu halten.

Wie gelingt es Ihnen, geeigneten Berufsnachwuchs zu finden und zu binden?
Wir sind auf allen regionalen Ausbildungsmessen aktiv und stellen da unseren sehr interessanten, attraktiven und vielseitigen Beruf vor. Weiterhin ermöglichen wir Praktika in den unterschiedlichsten Formen: kurzfristige Schulpraktika, Jahrespraktika von Fachoberschülern oder wir geben Studenten ein Thema für ihre Bachelor-Arbeit. Dabei kommt auch die bereits angesprochene Weiterentwicklung und Modernisierung des Arbeitsumfeldes zum Tragen.

Welche wichtigen Trends im feinwerk­technischen Bereich muss man auf jeden Fall im Blick haben?
Ein Thema wird mit Sicherheit die additive Fertigung sein. Auch wenn diese die Zerspanung sicher nicht so verdrängen wird, wie oft vermutet. Es werden aber neue Tätigkeitsfelder entstehen, die uns als Feinwerkmechaniker neue Chancen bieten.
Außerdem wird die Automatisierung der Prozesse darüber entscheiden, wer noch weiter im Markt bleibt und wie man den Fachkräftemangel in den Griff bekommt. Hinzu kommt natürlich die ausgewiesene Fachkompetenz einzelner Unternehmen. Gerade kleine und mittelständische Betriebe erbringen oft unglaubliche Leistungen in sehr speziellen Bereichen. Flache Hierarchien und Erfindungsreichtum zeichnen ja schon immer das Handwerk aus. Für dieseUnternehmen wünsche ich mir mehr Unterstützung, damit diese kleinen Innovationsinseln erhalten bleiben.

Sie sind seit kurzem Bundesfachgruppenleiter der Feinwerk­techniker im BVM. Was waren Ihre Beweggründe? Nachdem mein Vorgänger aus persönlichen und betrieblichen Gründen sein Amt leider niederlegen musste, sind Christine Waldschmidt und ich ins Ehrenamt gewählt worden. Da wir schon seit einiger Zeit auch auf der Bundesebene aktiv sind, lag es nahe, dass wir diese Aufgabe übernehmen. Wir wollen in dieser Funktion konstruktiv, verlässlich und verbindend wirken.
Uns Feinwerkmechanikern fehlt leider ein großes Thema, dass alle betrifft. Die Unterschiedlichkeit der Betriebe macht es nicht einfach, spannende Themen für Viele zu finden. Ich wünsche mir für die kommenden Veranstaltungen, wie den Bundesfachgruppentag im Rahmen des Metallkongresses im Herbst, eine rege Teilnahme und viele Themenvorschläge.

Firma: Erfahrung steht in keinem Lehrbuch

Volker Rößner ist Firmenchef des mehr als 120 Jahre alten, deutschlandweit agierenden und hochspezialisierten Anbieters von Zerspanungsteilen, Baugruppen, Schweißteilen bis zehn Tonnen und individuellen Sondermaschinen.
Aufgrund der großen Fertigungstiefe und jahrzehntelangen Erfahrung in der Metallbearbeitung, Hydraulik, Elektromontage und Pneumatik ist die Rößner Maschinenbau aus dem hessischen Alsfeld mit ihren über siebzig Mitarbeitern in der Lage, auch außergewöhnliche Teile und sehr individuelle Sondermaschinen zu fertigen – egal ob Prototypen, Einzelteile oder Kleinserien.

Letzte Aktualisierung: 24.02.2021