Firmenübergabe: „Fördern und fordern“

Viele Metallhandwerksbetriebe stehen in den nächsten Jahren vor einem Generationswechsel. Wir haben den Seniorchef der Metallbau Cronberg in Halle, Bernd Cronberg, und den Juniorchef und Schwiegersohn, Matthias Kasperski, nach ihren wichtigsten Erfahrungen und Tipps für den Erfolg dieses Prozesses gefragt.

Metallbau, Cronberg, Interview, Betriebsführung
Die Arbeitsteilung zwischen beiden ist klar geregelt: Jeder bearbeitet seine Bauvorhaben – Personalfragen, Investitionen und andere geschäftliche Entscheidungen werden gemeinsam besprochen und beschlossen. Fotos: M&T

Was würden Sie sich für Ihre Arbeit im Ehrenamt wünschen?
Bernd Cronberg: Als Vorstandsmitglied unserer Innung würde ich mir wünschen, dass die über die Handwerkskammer an die Politiker herangetragenen Probleme mehr Beachtung finden und nicht immer nur mit „ja, ja“ kommentiert werden und dann ist es damit abgetan. Nicht die Worte, sondern das Handeln sollten in den Vordergrund treten.
Herr Cronberg, Sie sind seit vielen Jahren Landesfachgruppenleiter Stahlbau/Schweißen im Landesinnungsverband

Metall Sachsen-Anhalt. Was hat Ihnen die Wahrnehmung dieser Aufgabe gebracht?
Cronberg: Sehr viel! Durch diese Arbeit ist man in Kontakt mit vielen Berufskollegen der Innung, des Landesverbandes, sowie bundesweit und auch mit den technischen Organen des Bundesverbandes Metall (BVM). Durch die Kommunikation erhält man ständig aktuelle Informationen über die neuesten Vorschriften, Regeln, Normen etc. und man tauscht sich über technische Probleme aus und kann Lösungen auch gleich in seinen Betrieb mitnehmen und dort nutzen.

Welches sind die besonderen Herausforderungen, vor denen Ihr Betrieb momentan steht?
Matthias Kasperski: Der Altersdurchschnitt unserer Belegschaft ist relativ hoch, jährlich gehen ein bis zwei Mitarbeiter mit 63 Jahren in den Ruhestand – hier muss Ersatz geschaffen werden. Es ist schwierig genug geeignete neue Mitarbeiter zu finden oder den eigenen Firmennachwuchs aufzubauen.
Ein weiteres Thema ist die Modernisierung des Maschinenparks. Hier ist es wichtig, rechtzeitig zu erkennen, wann Ersatz- oder Neuinvestitionen sinnvoll und nützlich sind.

Wie gelingt es Ihnen, geeigneten Berufsnachwuchs für den Betrieb zu finden?
Cronberg: Ein großes Problem – speziell im produktiven Bereich. Hier sind jährlich drei bis vier Schüler aus umliegenden Schulen zum Schulpraktikum bei uns und wir versuchen, diese für den Beruf des Metallbauers zu begeistern – mit mehr oder weniger gutem Erfolg.
Unser Ziel ist es, jährlich ein bis zwei Lehrlinge in den Berufen Metallbauer beziehungsweise Bürokauffrau auszubilden. Meist gelingt uns das auch.
Weiterhin kooperieren wir mit Bildungsträgern, deren Lehrlinge bei uns einen Teil der praktischen Ausbildung absolvieren. Mehr Nachfrage herrscht bei Praktika für ingenieur-technische Studiengänge, die vor oder während des Studiums bei uns absolviert werden können. Oft folgen kurzfristige Beschäftigungen in den Semesterferien und auch Konsultationen für Bachelor- beziehungsweise Abschlussarbeiten.

Metallbau, Cronberg, Kasperski
Matthias Kasperski: „Die Ausführungsplanung der Auftraggeber lässt sehr oft zu wünschen übrig.“

Mit welchen fachlichen Problemen müssen Sie sich im Betrieb vor allem auseinandersetzen?
Kasperski: Die Ausführungsplanung der Auftraggeber lässt sehr oft zu wünschen übrig. Dadurch kommt es bei Realisierung der Aufträge zu Zeitengpässen in Planung und Fertigung, weil unsere Projektingenieure erst die Grundlagen für eine notwendige Werkplanung schaffen müssen. Eine detaillierte und fachliche Ausführungsplanung würde die Produktivität enorm steigern.

Wie sind Sie das Thema Zertifizierung nach DIN EN 1090 angegangen und was können Sie Ihren Kollegen dazu raten?
Cronberg: Unser Betrieb ist schon seit 1981 schweißtechnisch zertifiziert und durch den jahrelangen Kontakt zur Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt Halle fiel uns das zusätzliche Audit der werkseigenen Produktionskontrolle nach EN 1090-1 EXC 3 auch nicht besonders schwer. Ich habe mich schon etwa vier Jahre vor Einführung der Norm mit diesen Problemen beschäftigt – in Zusammenarbeit mit dem BVM haben wir auf Landesfachgruppenebene Veranstaltungen zu diesen Themen durchgeführt.
Jeder im bauaufsichtlichen Bereich tätige Metallbauer, sollte sich zertifizieren lassen, da sonst Auftraggeber berechtigt sind, für nicht normgerechte Produkte ihre Zahlung zu verweigern. Unterstützung bieten hier die technischen Berater der Landesinnungsverbände!

Sie standen vor einiger Zeit vor der Herausforderung, den Betrieb an die nächste Generation weiterzugeben. Wie sind Sie vorgegangen?
Cronberg: Die Beschäftigung mit dieser Thematik begann bei mir schon vor etwa zwanzig Jahren, als unsere Tochter das Abitur abgelegt hatte und die Studienfrage stand. Wir sind mit ihr zum „Tag der offenen Hochschule“ nach Mittweida gefahren und dort konnten wir sie für ein Studium im Stahl- und Metallbau begeistern. Auch ihr damaliger Freund und heutiger Ehemann hat nach seinem Grundwehrdienst an der gleichen Hochschule Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Beide haben in den Schul-beziehungsweise Semesterferien in der Werkstatt, auf unseren Baustellen, im Büro und beim DVS-Wettbewerb „Jugend schweißt“ praktische Erfahrungen gesammelt.
Parallel zum Studium konnte meine Tochter einen Schweißfachingenieur-Lehrgang absolvieren.
Kasperski: Wir haben uns frühzeitig mit diesem Thema beschäftigt, gerade auch im Hinblick auf mögliche Krankheit oder Berufsunfähigkeit, da wir als Familienunternehmen natürlich sehr abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes sind und Verantwortung für die Beschäftigten tragen. So konnte und musste ich Projekte in Eigenverantwortung planen und abarbeiten. Dabei lernte ich rechtliche und wirtschaftliche Zwänge, aber auch Spielräume, kennen und einzuschätzen, die heute einen immer größeren Stellenwert haben.

Wann haben Sie begonnen, die Weitergabe in die Wege zu leiten?
Cronberg: Beide wurden nach Beendigung ihres Studiums als Projektingenieure eingestellt und bearbeiten ihre Aufträge seit zwölf beziehungsweise14 Jahren komplett selbständig. Im Jahr 2013 wurde mein Schwiegersohn mit zum alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführer berufen und wird ab kommendem Jahr die Geschicke der Firma alleine lenken. Ich werde stundenweise noch mithelfen, beratend zur Seite stehen und in ein bis zwei Jahren den Ruhestand genießen! Frei nach der Devise: „Fördern und fordern“.

Metallbau, Cronberg, Inhaber
Geschäftsführer Bernd Cronberg: „Man muss lernen so manche Entscheidungen der „Jugend“ zu akzeptieren.“

Welche Aufgaben haben Sie beide besonders gefordert?
Cronberg: Mit 63 Jahren so manche Entscheidungen der „Jugend“ zu akzeptieren, wenn diese auch nicht der eigenen Meinung entsprachen.
Kasperski: Eine Herausforderung war es, das Leistungsprofil der Firma etwas zu verändern – bestimmte Leistungsbereiche zu verringern und andere zu stärken, um den wachsenden Anforderungen der Auftraggeber gerecht zu werden.
Die fachlich-rechtliche Bewertung der Bauleistungen bedarf eines immer größeren Aufwandes, der oft nur mit Hilfe eines Rechtsanwaltes zu klären ist.

Wie haben Sie die Arbeitsteilung zwischen Ihnen beiden festgelegt?
Cronberg: Jeder bearbeitet seine Bauvorhaben – Personalfragen, Investitionen und andere geschäftliche Entscheidungen werden gemeinsam besprochen und beschlossen.

Haben Sie einen Rat für Kollegen, die vor dem gleichen Abschnitt stehen?
Cronberg: Man sollte sich schon viele Jahre vorher Gedanken über den Ablauf, die Art und Weise und den Zeitpunkt der Geschäftsübergabe machen – am besten einen geeigneten Nachfolger über drei bis fünf Jahre einarbeiten, die Rahmenbedingungen schaffen und möglichst alle Modalitäten im Voraus mit ihm abstimmen, damit es bei der Übergabe kein böses Erwachen gibt! Auch steuerliche Aspekte sollte man bei der Planung nicht außer Acht lassen!

Wo sehen Sie Ihren Betrieb in fünf bis zehn Jahren?
Kasperski: Ich möchte den Betrieb mit gleicher Philosophie, gleicher Belegschaft und sehr ähnlichem Produktionsprofil so weiter führen und im Jahr 2025 erfolgreich das 125-jährige Firmenjubiläum feiern.

Metallbau Cronberg

  • 1900 von Schmiedemeister Franz Herrmann senior als Huf- und Wagenschmiede gegründet,
  • 1934 von Schmiedemeister Franz Herrmann junior übernommen und erweitert mit einer Dreherei,
  • 1961 vom Schwiegersohn Schmiedemeister Wolfgang Cronberg fortgeführt und mit einer kleinen Stahlbauhalle ergänzt – etwa acht Beschäftigte,
  • 1991 Übernahme der Geschäfte durch Dipl.-Ing. Bernd Cronberg, Schmiedemeister und Schweißfachingenieur, Erweiterung des Betriebsgeländes um etwa 5.000 Quadratmeter (davon 1.400 Quadratmeter überdacht), Verstärkung der Belegschaft auf etwa dreißig Mitarbeiter (ein bis zwei Lehrlinge, etwa zwanzig Facharbeiter, zwei Meister, zwei Konstrukteure, zwei Projektleiter und zwei bis drei Büroangestellte),
  • Produktionsprofil: Stahlkonstruktionen, Werbemaste, Treppen jeglicher Art, Treppentürme, Edelstahlver- und -bearbeitung, Betonstahlschweißen und Ausführung von sämtlichen Bauschlosserleistungen.