Arbeitsschutz: Handschuhe bergen Risiko

Immer wieder passieren an Maschinen mit rotierenden Werkstücken oder Werkzeugen Unfälle, weil Handschuhe von den Bedienern getragen werden. Wie aber lässt sich das Risiko minimieren?

Bohrmaschinen, Fräsmaschinen, Arbeitsschutz, Arbeitsunfälle
In der Betriebsanweisung muss festgelegt sein, dass Handschuhe nicht getragen werden dürfen. Foto: FRW

Vor allem an älteren, offen laufenden Maschinen, wie Ständer- und Reihenbohrmaschinen und Fräsmaschinen, kommt es immer wieder vor, dass der Bediener beim Hantieren von der drehenden Arbeitsspindel oder dem Werkzeug wie Bohrer oder Fräser erfasst werden. Während die unbehandschuhte Hand kaum Angriffspunkte aufweist, sieht das bei der Hand mit Arbeitsschutzhandschuhen anders aus. Selbst vermeintlich glatte Handschuhe bieten genug Reibungsfläche, um sich in einer drehenden Welle oder dem Werkzeug zu verhaken. Dies passiert so schnell, dass der Betroffene kaum Zeit hat zu reagieren.
Schwere Quetschungen, Knochenbrüche und abgerissene Finger können die Folge sein. Der Schutz durch die Handschuhe vor Verletzungen durch Metallsplitter oder scharfe Grate und Kanten wird ad absurdum geführt.
Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ist unbedingt zu klären, ob Handschuhe eine Schutzwirkung gegenüber den abzuwehrenden Gefahren bieten oder aber eine größere Gefahr mit sich bringen. Diese Entscheidung darf nicht den Beschäftigten überlassen werden. Für sie ist die Schnittgefahr für die Hände gegenwärtiger als die „theoretische“ Gefahr, dass der Handschuh tatsächlich erfasst wird - ein schlimmer Irrtum, wie das Unfallgeschehen Jahr für Jahr zeigt.

Informieren Sie sich

Oft ist den Unternehmern und Vorgesetzten das „Handschuhverbot“ für Arbeiten an Maschinen mit der beschriebenen Gefährdung nicht bekannt. Die Frage: „Wo steht denn das?“ wird jedoch unnötig gestellt: Die Gefährdungsbeurteilung liefert die Antwort. Wer es dennoch schriftlich haben möchte, kann im berufsgenossenschaftlichen Regelwerk in der BG-Information „Maschinen der Zerspanung“ (BGI 5003, neu: DGUV 209-066) nachschlagen. Dort wird im Kapitel über „Konventionelle Maschinen“ auf die Gefahr durch das Tragen von Handschuhen hingewiesen.
Eine nach wie vor praktizierte, aber höchst gefährliche Arbeitsweise ist das Schleifen oder Polieren von Werkstücken (zum Beispiel Wellen) mittels Schmirgelleinwand, die in Drehbänken eingespannt werden. Hier ist selbst das kräftige Zufassen und Umwickeln der Leinwand mit den bloßen Fingern, um einen festen Halt zu erzielen, äußerst gefährlich.
Auch ohne Handschuhe kommt es dabei zu schweren Verletzungen. Mit Handschuhen geht die Sache meist noch schlimmer aus. Als Alternative - Verbote allein sind meist wenig hilfreich - bietet sich die Bearbeitung mit einer auf ein Brett aufgespannten Schmirgelleinwand an, die plan über das Werkstück geführt wird.

Rüsten Sie Sicherheit nach

Trägt ein Bediener Handschuhe, besteht nicht nur die Gefahr, dass er durch rotierende Teile erfasst wird. Das Gefährdungsrisiko erhöht sich auch an Maschinen mit Einzugsstellen. Das betrifft zum Beispiel Rundbiegemaschinen, Walzen oder Band- und Kreissägen: Hier ist die Gefahr durch den Handschuh eindeutig höher als die beabsichtigte Schutzwirkung. Wer glaubt, sich noch rechtzeitig vom erfassten Handschuh befreien zu können, wird schlimmstenfalls durch einen Unfall eines Besseren belehrt.
Durch die Neufassung der Betriebssicherheitsverordnung im vorletzten Jahr, die auch für ältere Maschinen einen sicheren Betrieb nach dem Stand der Technik fordert, wird die Pflicht zur Nachrüstung der offen laufenden Maschinen eindeutig vorgeschrieben. Damit lässt sich beispielsweise die Gefahr, versehentlich erfasst zu werden, selbst an einer einfachen Tischbohrmaschine durch eine verstellbare Verdeckung (Plexiglas-Scheibe) der Bohrspindel deutlich reduzieren.
Die Frage, ob Handschuhe getragen werden dürfen, muss aber weiterhin durch die Gefährdungsbeurteilung und -bewertung geklärt werden.
Die für den Arbeitsschutz im Betrieb Verantwortlichen tragen hier eine große Verantwortung. Sie müssen zum einen in regelmäßigen Unterweisungen auf die Gefahren und die festgelegten Schutzmaßnahmen hinweisen, zum anderen fordert die Gefährdungsbeurteilung, dass Wirksamkeit und Akzeptanz der Maßnahmen auch überprüft werden.
(Quelle: BGHM/Peter Hackenberg)

Nutzungs-Tipp
Im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik finden Sie im Richtlinienverzeichnis die BG-Information „Maschinen der Zerspanung“ (BGI 5003, neu: DGUV 209-066) im Volltext und im Kapitel 1.15.2.8 das Muster für die Gefährdungsbeurteilung an Ständerbohrmaschinen und für die Betriebsanweisung für Bohr- und Fräsmaschinen. Die Muster sind als bearbeitbare Word-Dateien hinterlegt.

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Letzte Aktualisierung: 07.11.2017